Artikel im Meilener Anzeiger

Gerne wollen wir Ihnen die Artikel, die von uns im Meilener Anzeiger erschienen sind als weiteren Einblick in unsere Arbeit, hier vor allem der Vorträge, die wir anbieten, zum Lesen geben:

 

Entstehung und Überwindung der Eifersucht

Oft können wir die Eifersucht bei Kindern beobachten: Wir sehen zum Beispiel, wie eines seinem Freund das Spielzeug wegnimmt, weil es sich benachteiligt fühlt, oder ein anderes auf einmal und auf unerklärliche Weise ihm etwas weh tut (ein Wehwehchen hat), weil es glaubt, dass sein Geschwister zu sehr im Mittelpunkt steht.  

Es scheint für uns Erwachsene allerdings eine ungeschriebene Regel zu sein, dass Eifersucht ab einem gewissen Alter kein Thema mehr sein sollte. In Wirklichkeit aber spielen Eifersuchtsgefühle in vielen täglichen Situationen eine entscheidende Rolle. Sie können der Grund sein, warum es uns schwerfällt, uns zu einigen, uns für das gemeinsame Fortschreiten zusammenzuschliessen, uns über das Glück von anderen zu freuen. Viele glauben, dass sie im Vergleich zu anderen nicht genügen, fühlen sich schnell abgelehnt, sind sich sicher, dass andere bevorzugt werden oder man selbst zu wenig Beachtung findet. Man sieht zwei Leute zusammen und glaubt, dass die einen nicht dabei haben wollen. Man vergleicht sich ständig, verurteilt, was andere versuchen, setzt sich davon ab, muss darstellen, dass die Leistung von anderen doch nicht so grossartig ist, wie man glaubt. Auf solche Gefühle können dann Reaktionen wie zum Beispiel Trauer, Abneigung, Vorwurfshaltungen, Besserwisserei, Rückzug, Streit, oder Strenge folgen. Es sind Gefühle, die uns hemmen in unserer eigenen Entwicklung, und in unserer Fähigkeit, mit den Kollegen zusammenzuarbeiten, zu den anderen beiden dazuzugehen und mitzureden, unser ganzes Zusammenleben mitzugestalten. Es gilt daher, uns mit diesen Gefühlen auseinanderzusetzen, um sie verstehen zu lernen, und sie nicht zu verurteilen. Im Vortrag wurde aufgezeigt, dass Eifersucht ein Schwächegefühl ist und wie diese Unsicherheit im Vergleich mit anderen überwindbar ist, wenn man die Entstehung dieses Gefühls versteht und sich als von Grund auf soziales Wesen mit den Menschen verbunden fühlt. 

 

 Artikel im Meilener Anzeiger
Kooperation ist natürlich und macht glücklich
Kooperation ist natürlich und macht glücklich

Die heutige psychologische Forschung zeigt, dass wir Menschen von Natur aus auf Kooperation angelegt sind und am glücklichsten sind, wenn wir mit unseren Mitmenschen gut auskommen können. Anhaltendes Glück folgt nicht aus den Umständen, wie Wohlstand, Einfluss, oder Bekanntheitsgrad, sondern es erwächst aus dem positiven, kooperativen Gefühl gegenüber den anderen Menschen. 

Kooperation bedeutet, einen gemeinsamen Weg zu suchen. Das beinhaltet, dass man sich für andere Menschen und deren Sichtweise interessieren kann, diese nicht als Gegner anschaut, den anderen helfen und gleichzeitig selber die Hilfe anderer annehmen möchte, und die Zuversicht und Fähigkeiten hat, gemeinsame Lösungen zu finden. 

Wir sind als soziale Lebewesen konzipiert: Ein Kind wird ganz hilflos geboren. Um sich zu entwickeln, muss es vom ersten Tag an mit seinen Mitmenschen kooperieren – sich in Austausch begeben und positiv zusammenwirken. Sonst kann es nicht überleben, nicht lernen, nicht eigenständig werden. Es realisiert sich in den Beziehungen zu den anderen. 

Je kooperativer die Eltern das Kind ins Leben eingeführt haben, desto höher ist das Wohlbefinden des Kindes und des späteren Erwachsenen, wie verschiedene Studien gezeigt haben. Solchen Menschen gelingt es leichter, sich für andere zu interessieren, sich mit anderen zu verbinden, und schwierige Situationen zu lösen. Sie können deshalb mehr bewirken, und erleben, dass sie für ihre Mitmenschen eine Bedeutung haben. Dies führt zu mehr Freude, Genugtuung und Sinn im Leben.  

Hirnphysiologisch ist auch nachweisbar, dass sich bei einem Kind, das in seinem Aufwachsen die Zusammenarbeit mit seinen Mitmenschen als gelingend und erfreulich erlebt, differenziertere Hirnstrukturen herausbilden. 

Wenn ein Kind aufgrund einer strengen oder verwöhnenden Erziehung anstelle der  Kooperation Abstand zu den Menschen einzunehmen lernt, sucht es seine Bedeutung auf Abwegen – in Äusserlichkeiten, in einer höheren Stellung, in einer besonderen Fähigkeit, die es in seinem Gefühl über die anderen stellt, sogar bis zu Überheblichkeit, Ärger, Abneigungen, Zwang oder Aggressivität. 

Solche Probleme können gelöst werden, wenn das zugrundeliegende falsche Menschenbild korrigiert wird. Wenn es dem Menschen gelingt, mehr Interesse für die anderen zu entwickeln, die anderen und sich selbst besser zu verstehen, kann er besser kooperieren. 

Vortrag: Prof. Dr. med. M. Koukkou-Lehmann: Warum wir von Natur aus kooperieren

Die Sicht der Hirnforschung 

Mittwoch, 18. Juni 2014, 19.30 Uhr „Bildungszentrum für Psychologie und Erziehung“, Dorfstr. 140, Meilen www.tageszentrum-meilen.ch, www.bildungszentrum-psychologie.ch

 

Kooperation ist natürlich und macht glücklich
Freundschaft

Freundschaft bedeutet, dass man sich füreinander interessiert, füreinander da ist und sich im Auge hat. Man lernt den anderen so gut kennen, dass man weiss, was er gern hat, womit man ihm eine Freude machen kann und welche Schwächen er hat. Man findet beim Freund Rückhalt und unterstützt sich gegenseitig. Freundschaftliche Gefühle machen das Glück im Leben eines Menschen aus und erleichtern so das Leben.

Wenn man freundschaftliche Gefühle als Grundhaltung gegenüber dem Mitmenschen empfindet, beschränkt sich ein tiefes Interesse und ehrliches Mitfühlen nicht nur auf wenige Menschen, man  hat schneller und mehr Freunde. 

Der Mensch als soziales Wesen möchte mit dem anderen gut auskommen und zutiefst wünscht sich jeder Freundschaft mit seinen Mitmenschen. Dass Freundschaften trotzdem nicht zustande kommen, schwierig werden oder wieder auseinander gehen können, hängt mit den unverstandenen Gefühlsanteilen von allen Beteiligten und mangelndem Wissen über das menschliche Seelenleben zusammen. Je mehr man die seelischen Abläufe versteht und nachvollziehen kann, umso mehr freundschaftliche Gefühle für den Mitmenschen kommen auf. Und je mehr man andere gerne hat, um so leichter kann man den anderen verstehen. 

Wir wissen heute, dass die Gefühlseindrücke der ersten Lebensjahre das Denken, Fühlen und Handeln des Menschen bestimmen. Jeder Mensch entwickelt in seinen ersten Lebensjahren eine eigene Art, seine Erlebnisse zu interpretieren, die Welt und sich selbst zu empfinden und das Leben anzupacken. Diese unbewusste Gefühlsausstattung entscheidet darüber, ob wir uns zum Beispiel für eine andere Meinung unseres Freundes interessieren können oder uns ärgern müssen oder ob wir uns über den Erfolg unseres Partners mitfreuen können oder eifersüchtig werden oder ob wir zurückhaltend sind oder auf die anderen Menschen zugehen. Diese individuelle Art, den anderen zu erleben und dem anderen zu begegnen, können wir genau untersuchen, verstehen lernen und die störenden Anteile überwinden.

Vortrag von Diethelm Raff: Was bedeutet Freundschaft? Wie kann sie entstehen, wachsen und beständig bleiben?

Samstag, 27. April 2013, 16 Uhr, Bildungszentrum für Psychologie und Erziehung, Dorfstr. 140, www.tageszentrum-meilen.ch

Freundschaft
Der Mensch ist erst durch den anderen
Der Mensch ist erst durch den anderen

Artikel im Meilener Anzeiger vom 7. Juni 2013

Er ist nichts weniger als „Spezialist für die Psychologie der Gefühle“: Professor Knut Eming, sprach am Tag der Offenen Tür anlässlich des 10-jährigen Bestehens des Tageszentrums Miteinander Füreinander zum Thema „Wie Gemeinschaft gelingen kann“. 

„Nur weil wir andere Menschen haben, können wir merken, wer wir sind“ ist eine zentrale Aussage Knut Emings. Wir finden uns nicht, wenn wir uns in uns selbst suchen. Als soziale Lebewesen sind wir nicht Einzelgänger, die die Eigenständigkeit in sich selbst finden können. Wir brauchen immer den anderen Menschen, um uns selbst zu erkennen. 

Leider, so Knut Eming,  sind viele im Gefühl nicht nahe genug beim anderen Menschen, fühlen sich nicht wohl genug und erleben das Zusammensein mit anderen zu sehr als Stress, als dass eine engere Verbundenheit und ein Gefühl von Gemeinschaft gelingen kann. Dies hat mit falschen Überzeugungen zu tun: Die anderen Menschen wurden dem Kind oft als Lebewesen vorgestellt, die dazu da sind, einen zu kritisieren, zu bremsen und zu konkurrieren. Oder andere erlebten schon früh, dass die anderen einem nur dann wohlgesonnen sind, wenn sie auf jeden Wunsch eingehen, jedes Gefühl beachten und immer lustig sind. Wenn dieses erwartete Setting sich nicht wiederholt, fühlen sie sich unverstanden, sind leicht säuerlich oder beklagen sich offen oder versteckt. 

Menschliche Gemeinschaft kann sich wegen solcher falschen Meinungen und Umwegen nicht so breit entfalten, wie sie es eigentlich von Natur aus könnte, erklärte Knut Eming. Die Gefühlsmöglichkeiten seien oft noch so eingeschränkt, dass wenig freundschaftliche Gefühle möglich sind. Freundschaft braucht es aber, um frei und eigenständig zusammenleben zu können, nicht nur im kleinen Gemeinschaften, sondern in allen Gesellschaften. „Der Mensch leidet dann darunter, dass er sich nicht zusammen gesellen kann.“ Der Ausweg besteht laut dem Referenten darin, seine Gefühlsirrtümer in Bezug auf die anderen Menschen zu erkennen. 

Es brauche heute mehr Institutionen, in denen die gleichwertige und freundschaftliche Verbundenheit mit anderen gelehrt und erlebt werden kann. „Die Wandlung der störenden Gefühle in Bezug auf die Mitmenschen ist dann möglich, wenn der einzelne in einer Gemeinschaft auf Zeit merkt, dass er ablehnende Gefühle gegenüber den Mitmenschen nicht verstecken muss, sondern als verfehlte Meinung über sich selbst und andere verstehen lernen kann.“ Dazu gehört  zu erleben, dass man nicht nur von ein paar wenigen verstanden werden kann, sondern von vielen.

„Solche Gemeinschaften, die auf eine Art öffentlich machen, was jeder zu verstecken meint, sind wie Diamanten, die einen Ausblick verschaffen, wie die Zentrierung auf das eigene Wohl als Gegensatz  zum Gemeinwohl überwunden werden kann, indem erkannt wird, dass es einem selber am besten geht, wenn man den Mitmenschen nah verbunden ist.“, erklärte Knut Eming. Wenn der einzelne sich unter anderen Menschen besser bewegen kann, wird es besser möglich, mit anderen zu sein, positiver den anderen gegenüberzutreten, in Vereinigungen und Vereinen mitzumachen, das Wohl der Gesamtheit mitzudenken und mitzufühlen.

 

Diethelm Raff

Der Mensch ist erst durch den anderen
Konzentrationsprobleme und Unruhe bei Kindern

Wenn ein Kind sehr unruhig ist und sich nicht konzentrieren kann, wissen Eltern und Lehrpersonen nach vielen Bemühungen oft nicht mehr weiter. Aus Verzweiflung glaubt man manchmal, es müsse eine Krankheit vorliegen. Das stimmt nicht. Ein solches Kind ist in einem psychischen Fieberzustand. Wenn es gelingt, Zugang zur Seele des Kindes zu finden, lernt man verstehen, woraus die Not eines solchen Kindes besteht. 

Jedes Kind möchte dazugehören und wie alle anderen mitmachen können. Wenn es aber nicht weiss wie, weil es durch seine bisherigen Erfahrungen mit den Menschen die dazu notwendige gefühlsmässige Sicherheit nicht erwerben konnte, und deshalb nicht genug Mut aufbringen kann oder bereits aufgegeben hat, dann zeigt sich dieser Schwächezustand unter anderem in der Form von Unruhe und Konzentrationsstörungen. 

Es ist mannigfach, was ein Kind im Innersten beschäftigen kann: Ein Kind ist zum Beispiel eifersüchtig und schaut deswegen die ganze Zeit darauf, ob es schneller oder langsamer ist als die anderen. Ein anderes Kind fühlt sich ganz dumm und kann deshalb erst gar nicht ein Buch aufschlagen, denn es glaubt bei allem, was es nicht versteht, das sei der Beweis für seine Dummheit. Ein drittes Kind ist so unsicher, ob die anderen mit ihm zufrieden sind, dass es die anderen immer auf sich aufmerksam machen muss, auch wenn es längst weiss, dass das stört und es schon hundert Mal versprochen hat, sich ruhig zu benehmen. Ein viertes Kind hat die Welt so kennengelernt, dass es sich abgelehnt fühlt, wenn ein momentaner Wunsch nicht erkannt oder nicht erfüllt wird; zu zweit geht es dann sehr gut, ist es aber unter anderen Kindern, fühlt es sich alleine und verloren, wehrt sich ständig oder zieht sich zurück. Ein fünftes Kind hat ständig Angst vor Kritik, vielleicht sogar vor Schlägen, wagt kaum zu denken, kommt nicht mit und ist deshalb ganz unruhig. Ein sechstes Kind fühlt sich ständig wie unter Gegnern und denkt nur daran, sich nicht unterkriegen zu lassen, wehrt sich gegen jeden vermeintlichen Angriff und wird bei Kritik frech. Ein siebtes Kind meint nur dann wichtig zu sein, wenn es bestimmen kann und fängt deshalb mit jedem Streit an, weil es sich zu wenig beachtet fühlt. Ein achtes fühlt sich bereits bevormundet, wenn es eine Erklärung erhält – so wie bei seinem älteren Geschwister, und verschliesst dann die Ohren. Diese Gefühle der Kinder sind durch die Eindrücke in der Erziehung und in der familiären Situation entstanden, und prägen – so auch bei uns Erwachsenen – die Art und Weise, wie wir das Leben wahrnehmen und angehen. 

Nimmt man sich die Zeit und hat man Freude daran, die Ursachen dieser Probleme mit dem nötigen psychologische Wissen zu ergründen, dann ist jedes Kind verstehbar. Wir als Erwachsene müssen versuchen herauszufinden, was ein unruhiges und unkonzentriertes Kind beschäftigen könnte. Erst dann können wir dem Kind helfen, da es unter seiner Schwäche leidet und seine eigenen unbewussten Beweggründe nicht kennt.  

Bildungszentrum für Psychologie und Erziehung, www.bildungszentrum-psychologie.ch,  www.tageszentrum-meilen.ch

Am Mittwoch, 5. Februar 2014 referiert lic. phil. Diethelm Raff, Psychologe FSP über 
„Unruhige und unkonzentrierte Kinder – Was können Eltern und Lehrpersonen tun?“

Konzentrationsprobleme und Unruhe bei Kindern
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